144MHz Weitverbindungen durch FAI
Aus den Löbenberg-Rundsprüchen 12-14
144MHz-Weitverbindungen durch FAI
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Auf eine Anfrage in den Mailboxen bezüglich der meist noch recht unbekannten Ausbreitungsart FAI, bekamen wir einige interessante Informationen. Besonders bedanken möchten wir uns bei Wilhelm, DL5MCG, für die Zusendung von umfangreichem Material über dieses Thema. Wir haben versucht, die
wichtigsten Fakten aus den eingegangenen Infos zusammenzufassen und möch-
ten diese in zwei bis drei Teilen in den nächsten Rundsprüchen ansprechen.
1. Was bedeutet FAI-Ausbreitung
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Field-Alignet-Irregularities, kurz FAI kann man übersetzen mit Feldlinien-
orientierten Unregelmässigkeiten der Elektronendichteverteilung. Diese
Unregelmässigkeiten im Ionen- bzw. Elektronengas bestimmter Atmosphären-
regionen werden z.B. bei einer Aurora erzeugt durch den Einfall von hoch-
energetischen Elektronen in die Erdatmosphäre. Dabei bestimmen die
Feldlinien des Erdmagnetfeldes die Einfallsrichtung. Durch den Einfall
von Elektronen parallel zu den Feldlinien entstehen in der Atmosphäre
Gebiete mit veränderter Elektronendichte, welche die UKW-Wellen zurück-
strahlen können. Aurora und FAI sind in dieser Hinsicht ähnliche
Erscheinungen, wobei aber bei FAI im Gegensatz zu Aurora die physikalischen
Abläufe noch nicht eindeutig geklärt sind. Das Auftreten von Rückstreu-
gebieten (sogenannte Scatter) ist bei FAI eng mit der Entstehung von
ES verbunden. Bisherige Erfahrungen haben gezeigt, dass bei einer
ES-Grenzfrequenz von 50MHz nutzbare FAI-Effekte auf dem 2m-Band auf-
treten können. Da die Rückstreuung an FAI-Scattern aber wesentlich
geringer und diffuser ist, als an ES-"Wolken", wird diese Möglichkeit
oft nicht erkannt.
2. Lokale Begrenzung und QTH's der Scatterpunkte.
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FAI-Scatterpunkte bilden sich nach bisherigen Beobachtungen grundsätzlich
dort aus, wo sich auch die ES-"Wolken" bilden. Allerdings kann eine UKW-
Station einen FAI-Scatter nur dann als Reflektor benutzen, wenn sie sich
südlicher als der Scatter befindet. Besonders häufig bilden sich FAI-
Scatter über Genf und Budapest aus, aber auch über Berlin und Nord-
Frankreich wurden Reflexionszonen festgestellt. Damit ergibt sich, dass
Stationen, welche nördlich einer Linie Berlin-Köln liegen, theoretisch
diese Ausbreitungsart nicht nutzen können. Dies deckt sich auch mit den
bisherigen DX-Beobachtungen. Da aber auch schon Sporadic-E-Verbindungen
nach OY und OH gefahren wurden (vermutl. via ES-Wolken über Dänemark
und Nordpolen) ist auch eine Ausbildung von FAI-Scattern über diesen
Gebieten möglich. Evtl. wurde es nur noch nicht getestet?
3. Antennenrichtung & Zielgebiet
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Durch Beobachten des heute fast europaweit funktionierenden DX-Clusters
sollte es möglich sein, im Falle einer stärkeren ES-öffnung mögliche
FAI-Scatter zu erkennen. Anhand der getätigten 2m- und 6m-ES-Verbindungen
lässt sich in etwa die Lage der "ES-Wolken" bestimmen. Diese liegen ca.
auf halber Strecke zwischen beiden Stationen. Für FAI-Tests sind dabei
aber nur die Scatter, welche nördlich vom eigenen QTH oder auf gleicher
geografischer Höhe liegen, interessant. Die Antenne sollte immer zum
möglichen Scatterpunkt gedreht werden. Dabei ist bei geringer Entfernung
zum Scatter unter 500km unter Umständen auch eine Elevationsmöglichkeit
der Antenne von Vorteil.
Um Antennenrichtung und das nutzbare Zielgebiet bei FAI besser einschätzen
zu können, wurde von Thomas, K4GFG, in einem Beitrag in der QST Nr.1/82 eine
Konturlinienmethode vorgestellt. 1987 beschrieb Günter, DL4MEA, diese
Konturmethode für verschiedene QTH's in Europa in mehreren DUBUS-Beiträgen.
4. Zeitpunkt und Dauer von FAI
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Die Ausbildung von FAI-Rückstreugebieten ist bisher zwischen Mai und Sep-
tember und auch im Januar beobachtet worden. Dabei liegt das Maximum wie
auch bei ES im Juni und Juli. Interessant sind die Zeiten zwischen etwa
17 Uhr UTC und Mitternacht. Dabei geht es längst nicht so hektisch zu, wie
bei einer Sporadic-öffnung. ähnlich einer Aurora kann man zwischen 30min
und mehrern Stunden scattern. Damit bietet sich FAI geradezu an, um kurz-
fristige Skeds via VHF-Net oder DX-Cluster zu verabreden.
5. Woran kann man FAI erkennen ?
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Die Signalstärke bei FAI ist wesentlich schwächer als bei ES und kann
stark schwanken. Typisch ist ein Flatterfading und mehr oder weniger ver-
zerrte oder verbrummte Signale, welche SSB-Verbindungen erschweren.
Aufgrund der schwachen und verzerrten Signale ist CW-Betrieb vorzu-
ziehen.
6. Stationsausrüstung
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Die Mindestausrüstung für erfolgreiche FAI-Versuche dürften bei einer
Langyagi mit gutem Vorverstärker und etwa 100Watt HF-Leistung liegen.
Jede bessere Ausrüstung erhöht auch die Erfolgsquote. Wie schon im
Abschnitt 3 angesprochen, ist es günstig, wenn die Antennen auch vertikal
angestellt werden können.
7. FAI-Verbindungen
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Die häufigsten FAI-Verbindungen laufen im Sommer zwischen Spanien,
Italien und Ex-Yugoslawien, aber auch zwischen Ungarn, Griechenland
und Frankreich finden recht häufig DX-QSOs via FAI statt. Vermutlich
bilden sich im Sommer öfters derartige Scatter, nur werden sie selten
genutzt; meist aus Unkenntnis oder weil nicht das entsprechende Rig mit
genügend hoher Strahlungsleistung zur Verfügung steht.
Um Scatterzonen über Mittel und Westeuropa besser zu erkennen, wurde
von DL5MCG und DL4MEA eine Hochleistungsbake konstruiert und im Mai 1990
in Betrieb genommen.
8. Die Bake DB0FAI
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Der Standort der Bake DB0FAI liegt südlich von Augsburg in JN58ic.
Auf der QRG 144.855 werden 1000W ERP in Richtung 305Grad abgestrahlt.
Besonders Scatterzonen über Belgien und Nordfrankreich dürften damit
erkannt werden. Der Hörbarkeitsbereich im Falle einer vorhandenen Scat-
terzone kann bei entsprechend grossem Antennengewinn zwischen Nordspanien
und Ungarn liegen. Stationen in JO50 & 60 sollten ihre Antenne dann
Richtung 270-290 Grad drehen, um eventuelle Rückstreu-Signale von DB0FAI
zu empfangen. Voraussetzung ist natuerlich, dass man die Bake in diesem
Falle möglichst nicht via Tropo hört, da das direkte Signal hier nur
stören würde.
Damit beenden wir den dreiteiligen FAI-Beitrag.
Die Rundspruchcrew bedankt sich bei Wilhelm, DL5MCG, für die Zusendung
der FAI-Unterlagen, welche in den DUBUS-Ausgaben der Jahrgänge 86-90
veröffentlicht wurden. Besten Dank auch für die PR-Infos von DL5MCG
und F/G8MBI.